Letzte Aktualisierung: 19.04.2018

Die festen Kompostpräparate (502 - 506)

Anwendung:

Die Kompostpräparate dienen vor allem als so genannte "Serie" dazu, organisches Material (Mist, Kompost, Gülle, Gründünger usw.) in wertvollen Dünger zu verwandeln.

Obwohl die Präparierung eine saubere Rotte fördert und beschleunigt, sind die Grundsätze einer fachgerechten Kompostierung zu beachten. Auch sollte der Rotteprozess "seine Zeit" bekommen!

Eine "Serie" besteht aus jeweils etwa 1 ccm der festen Kompostpräparate (502 - 506) und einer Giesskanne angerührter Baldriansaft (507) auf ca. einen Kubikmeter organische Masse. Die festen Präparate werden im Karree jeweils in separate Löcher appliziert, so dass sie etwa in mittlerer Höhe des Haufens liegen und sich in der Mitte das Brennnesselpräparat (504) befindet. Bei Rottemieten laufen diese Karrees fort und zwischen jedes wird zusätzlich jeweils Brennnessel appliziert.

Bei Miststapeln wird entsprechend dem Aufsetzen fortlaufend verfahren. Abschliessend wird die Baldrianbrühe darüber gegossen.

Ins Güllelager können die Präparate z. B. mit einem Holzkreuz (ggf. mit einem Gewicht), an dessen Enden bzw. Kreuzpunkt kleine Säckchen befestigt sind, eingebracht werden. Die Baldrianbrühe wird abschliessend hinzu gegossen.

 

Mit der Ausbringung des fertigen Kompostes (oder Gülle) sind die Kompostpräparate auf die Fläche verteilt.

 

Die Ausbringung auf die Fläche ohne Mist/Gülle erfolgt über Fladen- bzw. Kombipräparate.

Gefüllte Hirschblase
Gefüllte Hirschblase

Schafgarbe (502)

 

Herstellung:   Die Blüten der Schafgarbe werden gesammelt und wie Tee sorgfältig getrocknet. Im folgenden Frühjahr befeuchtet man diese Blüten mit wenig Schafgarbentee oder -saft und stopft sie fest in die Blase des männlichen Rothirsches. Über Sommer werden die gefüllten Blasen im Freien aufgehängt und - wie Hornmist - über den Winter eingegraben.

Das Vergraben der Hirschblase unterliegt keinen veterinärrechtlichen Bestimmungen!

Kamille im Rinderdarm
Kamille im Rinderdarm

Kamille (503)

 

Herstellung: Die Blütenköpfchen der Kamille werden gesammelt und wie Tee sorgfältig getrocknet. Analog der Schafgarbe werden sie in Rinderdarm (Dünndarm) gestopft und ebenfalls über Winter vergraben.

Es gilt als nicht ganz eindeutig, ob die Kamille (und auch der Löwenzahn) wie die Schafgarbe über den Sommer aufgehängt werden soll.

Die Verarbeitung und das Vergraben von Rinderdarm ist im Rahmen der Bestimmungen der EU-Verordnung Nr. 1069/2009 zulässig!

Brennnesselgrube
Brennnesselgrube

Brennnessel (504)

 

Herstellung:   Die Grosse Brennnessel wird Mitte/Ende Juni (um Johanni) möglichst kurz vor der Blüte geerntet. Am besten mäht man sie am Morgen bis Vormittag und lässt sie anwelken. Zwischenzeitlich kann die Brennnesselgrube vorbereitet werden. Die eingebrachte Brennnessel soll ringsum von Torf umgeben sein, sich aber nicht mit ihm mischen können. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Kleinere Mengen kann man einfach in ein Tonrohr stopfen und im Torf vergraben.

Dort verbleibt die Brennnessel bis zum nächsten Juni. Sie hat sich in eine humose schwarze Masse verwandelt und ist gebrauchsfertig.

Streift man das welke Laub von den Stängeln ab, erhält man ein besonders feines Präparat.

Eine Alternative zu Torf sind Kokosfasern bzw. -schäben (Cóir), die aus der Hülle von Kokosnüssen (Mesokarp) gewonnen werden.

Eichenrindenpräparat
Eichenrindenpräparat

Eichenrinde (505)

 

Herstellung:  In Frage kommt die Stieleiche (Quercus robur). Es ist strittig, ob mit „Eichenrinde“ die Borke oder die borkenfreie Spiegelrinde, wie sie zu Heilzwecken eingesetzt wird, gemeint ist. Letztere ist schwieriger zu bergen und auf zu bereiten. Die Borke kann, nachdem Moos und Flechten abgebürstet wurden, vom stehenden Baum geraspelt werden. Durch weiteres Zerkleinern erhält man eine bröselige Masse. Spiegelrinde muss mühsam von den jüngeren Trieben abgezogen und fein zerschnitten werden.

Borke oder Rinde werden durch das Hinterhauptloch in den Schädel eines Haustieres (Rind, Schaf, Schwein usw.) gestopft, nachdem die Hirnmasse entfernt wurde, und mit Lehm verschlossen.

Die gefüllten Schädel vergräbt man über das Winterhalbjahr (s. Hornmist) im modrigen Überflutungsbereich eines Baches oder Teichs. Mit einem Fass kann man diese Verhältnisse auch an einem Regenfallrohr nachahmen. Um Ostern werden die Schädel geborgen und das Präparat heraus geschabt.

Die Verarbeitung und das Vergraben von Haustierschädeln ist im Rahmen der Bestimmungen der EU-Verordnung Nr. 1069/2009 zulässig!

Löwenzahn im Grossen Netz
Löwenzahn im Grossen Netz

Löwenzahn (506)

 

Herstellung:   Die Löwenzahnblüten können ab Ende April gesammelt werden. Sie müssen schnell in der Sonne antrocknen und können dann im Schatten weiter trockenen, damit sie nicht matschig werden und faulen oder schimmeln. Die Blüten müssen in der Mitte noch einen festen Knoten haben, da sie sonst zur Pusteblume weiter reifen.

Als Hülle findet das Rindsgekröse Anwendung, das in quadratische Stücke geschnitten und mit den befeuchteten Blüten zu ballartigen Kugeln geschnürt wird.

Streng physiologisch ist Gekröse das Mesenterium, an dem der Darm aufgehängt ist. Dessen Verarbeitung ist aus veterinärhygienischen Gründen verboten. Üblich ist die Verwendung des Grossen Netzes (Bauchfell), das als „Bauchfett“ oder „Fettnetz“ gehandelt wird. Allerdings sollte das Netz für das Löwenzahnpräparat möglichst fettarm sein.

Damit erübrigt sich in der Praxis die Frage, ob die Löwenzahnkugeln auch über Sommer aufgehängt werden sollen. Denn das ausschmelzende Fett zöge Fliegen an und die Kugeln wären bis zum Herbst meist zerfallen.

Ansonsten wird der Löwenzahn ebenfalls über das Winterhalbjahr vergraben.

Die Verarbeitung und das Vergraben des Grossen Netzes (Omentum majus) ist im Rahmen der Bestimmungen der EU-Verordnung Nr. 1069/2009 zulässig!